Netlog.com ist ein 2004 gegründetes Netzwerk mit 86 Millionen Nutzern in Belgien, Italien, Österreich, der Schweiz, Rumänien, der Türkei, den Niederlanden, Frankreich & Deutschland. Die hohen Nutzerzahlen im europäischen Raum haben unser Interesse geweckt, weshalb wir uns angemeldet haben, um einen Eindruck von den Leistungen des Netzwerkes sowie den Vor- und Nachteilen zu erhalten.

Als neues Mitglied wird man zunächst um das Hochladen eines Fotos gebeten. Danach besteht die Möglichkeit, das eigene E-Mailkonto freizugeben, wobei sich der Sinn dieses Schritts einem erst später erschließt. Nach Erfüllen oder Überspringen der ersten beiden Schritte, landet man dann auf Netlogs bunter Startseite. Dort tummeln sich neben einer Übersicht über die gebotenen Funktionen namens Entdecken, Verwalten, Logs, Spiele und Dating auch Blogbeitragsempfehlungen, sogenannte Shouts und mehrere Werbeanzeigen. Die Kategorien Spielen und Dating stechen neben den obligatorischen Netzwerkfunktionen besonders heraus. Deshalb haben wir natürlich beide Funktionen neugierig ausprobiert. Hinter der Spielefunktion verbirgt sich ein Sammelsurium an Online-Spielen, an denen der User ohne weitere Anmeldung teilnehmen kann. Die Dating-Funktion hingegen führt zu einem externen Netzwerk namens Twoo, in dem eine gesonderte Anmeldung inklusive neuer Dateneingabe notwendig ist.

Während wir uns noch mit den verschiedenen Funktionen auseinandersetzen, bekommen wir unsere erste Nachricht vom Netlog-Administrator. Wir werden auf Netlog willkommen geheißen und erneut um eine Freigabe unseres E-Mailkontos ersucht, damit unser gesamter Freundeskreis zu Netlog eingeladen werden kann. In dieser Nachricht wird also deutlich, warum das Konto freigegeben werden sollte.

Nach näherer Beschäftigung mit Netlog wird dem User klar, dass die Anbieter versuchen, alle möglichen Social Media Aspekte miteinander zu kombinieren. Man kann sowohl Bilder hochladen, mit Freunden netzwerken, shouten, was einer Twitterfunktion gleichkommt, bloggen, spielen und mit leichtem Aufwand auch Dates in die Wege leiten. Netlog ist also ein Multifunktionsnetzwerk.

Allerdings fällt nach der Anmeldung eine Vielzahl negativer Aspekte auf, die beim kritischen Nutzer Fragen aufwerfen. Zum einen ist die sofortige Bitte um Freigabe des E-Mailkontos in Zeiten der Datenmissbrauchs- und Privatsphäreangst nicht unproblematisch. Zum anderen ist die Aufmachung bzw. der Aufbau des Community aus Perspektive des Users in mehrfacher Hinsicht überfordernd. So ist die Startseite überfüllt mit Bildern, Blogs, Shouts und sowohl externen als auch internen Werbeanzeigen. Zudem sind die omnipräsenten Werbeanzeigen übermäßig in die Startseite integriert, so dass der Eindruck entsteht, sie gehörten zur Seite. Darüber hinaus ähnelt das Design der Spielefunktion so manch einer Poker Pop-Up-Seite, was dem Ganzen einen eher unseriösen Anstrich gibt. Auch die Begrüßungsnachricht ist in grammatikalisch zweifelhaftem Deutsch geschrieben und enthält, abgesehen von der Aufklärung über Sinn und Zweck der E-Mailkonto-Freischaltung, keine essentiellen Zusatzinformationen für das neue Mitglied.

Die Online-Community zieht bezüglich Netlog in Sachen Datenschutz eine negative Bilanz. Unter anderem wird das Netzwerk als „Datenschleuder“ angeprangert, da jedes neue Mitglied mit der Freigabe seines E-Mail-Accounts zunächst unbewusst den Versand von Einladungen an den Bekanntenkreis erlaubt, was als aggressive Expansionspolitik angeprangert wird. Neben negativem Feedback gibt es aber auch positive Stimmen. Das in 34 Sprachen existierende und in vielen europäischen Ländern populäre Netlog wird als besonders multilingual hervorgehoben. Allerdings kann Multilingualität im Zeitalter von Facebook, das in über 70 Sprachversionen existiert, nicht wirklich als Alleinstellungsmerkmal gehandelt werden.