Ein Thema, welches sehr oft in Foren, Gruppen und auf Blogs diskutiert wird ist: Warum kann ich als Seite zwar ein Event auf Facebook erstellen, darf aber dazu nicht die eigenen Fans einladen? Im Verlauf der Diskussion fallen dann unweigerlich Sätze wie „Facebook will doch nur unser Geld“, „Wartet es ab, das ist der erste Schritt dazu, dass wir für Fan-Seiten bezahlen müssen“ oder „Unverschämtheit!“. Als schnelle ‚Notlösung‘ verfallen dann viele auf die sehr zweifelhafte Idee, sich zusätzlich zur eigenen Fan-Seite noch ein privates Profil als Veranstalter anzulegen. Warum das eine schlechte Idee ist, beleuchte ich einmal kurz im folgenden Artikel.

Fans auf Facebook zu einer Veranstaltung einladen

Facebook möchte keine Firmen, Clubs, Veranstalter, etc. als private Profile haben. Das hat in erster Linie den einen einzigen Grund, dass Nutzer nicht massenhaft zugespammt werden sollen und können. Private Profile sind bewusst anders ausgelegt und bieten völlig andere Möglichkeiten der Interaktion und unterscheiden sich natürlich auch in der angezeigten Menge der Postings. Dem Unternehmen Facebook geht es hier nicht um eventuell zukünftige Geldeinnahmen von Seitenbetreibern – eine nette ‚Internet Legend‘, aber auch nicht mehr – sondern darum, dass das Netzwerk umso uninteressanter für die Nutzer wird, je mehr für sie irrelevante Nachrichten im Stream erscheinen. Daher auch der recht ausgeklügelte EdgeRank, welcher erahnen und steuern soll, was Nutzer von anderen zu sehen bekommen. Da dies aber  nunmal ’nur‘ ein Stück sehr komplizierte Software ist, kann es durchaus für einige Tage gewisse Unregelmässigkeiten und Verwerfungen geben, welche wiederum gerne zum Anlaß für verschiedene Spekulationen genommen werden.

Aus den besagten Gründen kann eine Fan-Page zwar eine Veranstaltung erstellen, aber nicht die Fans der Seite direkt dazu einladen. Man kann die Veranstaltung wiederholt für die Fans auf seiner Chronik teilen, und das muss ausreichen. Facebook hat nicht umsonst viele Änderungen der letzten Monate und Jahre darauf getrimmt, dass Seiten-Admins ‚wertige‘ – sprich für den Fan interessante – Inhalte erstellen und diese mit ihren Fans teilen.

Zu den von Seiten erstellten Veranstaltungen können grundsätzlich alle, die schon zugesagt haben, ihre kompletten Freunde einladen. Allerdings hat Facebook auch hier nachjustiert und erlaubt nun nur noch insgesamt 300 offene Einladungen. Um neue Freunde hinzuzufügen, müssen nun also erst einmal welche zu- oder abgesagt haben. Aus Sicht des Nutzers macht das völlig Sinn, da es die Chance auf Massenspam, wie er noch bei Myspace gang und gäbe war, nahezu völlig eliminiert. Für Veranstalter oder Unternehmen mag das ein Ärgernis sein, aber es ist vom Grundgedanken her völlig richtig.

Trotz Einschränkungen die eigenen Fans erreichen

Wie kann man also als Fan-Seite seine Fans erreichen, ohne den Umweg über ein privates Profil zu gehen, welches Facebook zwangsläufig irgendwann wegen ständiger Event-Einladungen und sonst eher schwachem Inhalt verwarnen und in letzter Konsequenz sogar sperren werden wird? Ständig etwas auf seiner Seite posten, auf Kommentare reagieren, mit den Fans interagieren, etc. Das garantiert, dass die von der Seite erstellte Veranstaltung in die Streams von vielen ‚gespült‘ wird und es mehr zu sehen bekommen. Jeder, der nun wiederum zusagt, absagt oder ein ‚Vielleicht‘ angibt, dessen Handlung wird wiederum in den Streams seiner Freunde angezeigt werden. Auch hier gilt wieder: Beileibe nicht bei allen, aber bei denen, mit denen viel interagiert wird. Dazu kommen noch alle, welche früher schonmal mit der Fan-Seite interagiert haben oder vielleicht mal zu einem Event zugesagt haben. Von gemeinsam geliebten Bands, musikalischen Übereinstimmungen, gemeinsamen Interessen, geschätzten Filmen, etc. will ich hier gar nicht erst anfangen.

Aus den genannten Gründen ist das mit dem privaten Profil für das Promoten von Veranstaltungen eine ganz schlechte Idee. Von der freiwilligen Vereinbarung wie „Wer sich mit unserem Profil befreundet, der möchte ja mehr Infos haben“ weiss Facebook nichts und es braucht sie auch nicht zu interessieren. Facebook erklärt diesen Sachverhalt auch sehr gut in seinen öffentlich zugänglichen White Papers und FAQs. Wenn man sich an ein paar Grundregeln hält, die Seite nicht zwischen den Veranstaltungen verwaisen lässt und am Ball bleibt, dann geht das auch auf diesem Weg sehr gut – in vielen Fällen sogar ganz ohne bezahlte Werbung zu schalten. Wer allerdings nur schnell sein Event an möglichst viele Personen pushen möchte, der hat bei Facebook nunmal genauso Pech wie Firmen, die meinen, sie könnten mit zuspammenden ‚Like-und-Teil Gewinnspielen‘ durchkommen.

Über eines sollte man sich immer klar sein: Es ist nunmal deren Netzwerk, sie bestimmen die Regeln und jeder, der sich anmeldet, akzeptiert diese. Diese Regeln sind aus der Sicht des normalen Nutzers auch gut so, wie sie sind.

Stephan Kochs