Im 21. Jahrhundert ist Social Campaigning ein unerlässliches Muss – dies haben Unternehmen und Institutionen in den USA bereits längst erkannt. Dabei nicht ganz unstrittig: Was versteht man eigentlich unter dem Begriff?

Klar, als Social Media Agentur würden wir in erster Linie Social Campaigning als gezielt aufeinander abgestimmte (Werbe-)Maßnahmen in sozialen Medien und interaktiven Plattformen bezeichnen. So ist es auch, aber eben nicht nur. Denn aus der Zusammenarbeit mit Non-Profits wissen wir, dass Social Campaigning hier etwas anderes meint, nämlich: gemeinnützige Kampagnen für den guten Zweck.

Warum also nicht beide Perspektiven kombinieren und schauen, welches Best Practice in Sachen Social Campaigning als Lehrstück dienen kann. Von welcher Institution können wir lernen, wie Fans, Follower & Influencer aktiv in das eigene Digital-Marketing mit einbezogen werden?

Der Blick über den großen Teich

Ein Beispiel für gelungene, sozial-mediale Kampagnen ist die international tätige Stiftung Project AWARE, die sich auf vielfältige Weise für den Naturschutz unter Wasser einsetzt. Wie viele andere gemeinnützige Projekte ist man auch hier auf Spenden angewiesen und finanziert sich zudem durch Verkauf von hauseigenen AWARE-Produkten. Unterstützer und Botschafter sind dabei ein hohes Gut in der digitalen Kommunikation – nicht zuletzt, um neue ehrenamtliche Helfer zu gewinnen.

Facebook

Die Initiative hält ihre amerikanischen Fans durch regelmäßige Facebook-Postings auf dem Laufenden und konnte dadurch über 180.000 Gefällt-Mir Angaben verzeichnen. Auf der Facebook-Seite werden interessante Projekt-Neuigkeiten bekannt gemacht, wissenswerte Fakten kommuniziert, Kampagnenarbeit geleistet und Spendenaufrufe gestartet. Dies alles angereichert mit Video- und Bildmaterial. Interessierte werden also durch einen multimedialen Content-Mix ideal mit relevanten Informationen zum Thema Unter Wasser versorgt. Dabei kommen Motivationsansätze und Call-to-Actions auf dem Dialogkanal nicht zu kurz. Schließlich möchte man Unterstützung einwerben.

Facebook-Post vom 29. Juli 2015 Project Aware
Facebook-Post vom 29. Juli 2015 Project Aware

 

Twitter

Ähnlich lebhaft geht es auf dem Twitter-Kanal der Stiftung zu. Mehr als 28.000 Follower hält Project AWARE hier auf dem Laufenden – und das mit mehreren Tweets am Tag. Um Follower auf den neuesten Stand zu bringen, werden Schnappschüsse von Meerestieren, Freiwilligen und Tauchern gepostet. Hohe Teilhabe durch hohen Aktualitätsbezug – so könnte also das Leitmotiv in weniger als 140 Zeichen beschrieben werden. Der Community wird beispielsweise live von der Rettung eines Hais aus einem Fischernetz berichtet. Dadurch können Erfolgserlebnisse direkt geteilt werden.

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Tweet vom 31. Juli 2015 Twitter-Kanal Project Aware

Dass Social Campaigning dabei wie eine Selbstverständlichkeit praktiziert wird, zeigt sich auch an der aktuellen Kampagne #UglyJourneyofTrash. Das Hashtag sollen User immer dann benutzen, wenn es um Meeresverschmutzung geht. Eine Kampagnen-Seite mit Informationen und über YouTube eingebundenen Erklär-Vidoes vermittelt die Botschaft. Scheinbar mit Erfolg, denn #UglyJourneyofTrash wird von Multiplikatoren und privaten Twitterern aufgegriffen. Sie nutzen das Hashtag, wenn sie sich zum Thema äußern oder die Kampagne supporten wollen.

Und sonst?

Facebook und Twitter sind zwar derzeit noch die Kanäle mit der höchsten Reichweite, aber die darüber hinaus gehenden Aktivitäten möchten wir natürlich nicht unterschlagen. So ist die Stiftung auch bei Instagram vertreten. Ihre 3.000 Follower kommen hier wöchentlich in den Genuss von Unterwasser-Bildern von Tieren und Tauchern, sodass der gesamte Kanal in einem Meeres-Blau erscheint. Etwas ernüchternder sieht es hingegen (derzeit) im Multimedia-Segment aus. Die meisten Videos im YouTube-Kanal sind nicht allzu reichweitenstark, da es sich um Slideshows von Meeresfotos handelt. Apropos Fotos: Neben Instagram setzt Project AWARE auch auf Flickr. In diesem Kanal werden vornehmlich Testimonials gespielt. Auf Fotos sind freiwillige Helfer abgebildet, bei denen man sich bedankt. Wertschätzung pur, wenn auch nur in einem flankierenden Kanal.

Fazit

Egal ob im Non-Profit-Sektor oder in Unternehmen – Social Campaigning ist in der Regel sehr komplex und erfordert ein Verständnis für integrierte Kommunikation. Punkten kann man dabei am meisten mit einer multikanalen Content-Strategie, die Influencer und Multiplikatoren gezielt anspricht. Project AWARE gelingt dies schon sehr gut. Ob’s auch kleineren Organisationen in Deutschland in naher Zukunft gelingen wird, bleibt abzuwarten. Ansätze gibt es ja bereits, und wer weiß: Vielleicht hilft hier nur der berühmt-berüchtigte Sprung ins kalte Wasser. Wir sagen: Nur Mut, Social Campaigning ist eine Chance zum Wachsen!