Politisches Marketing im Web 2.0 wird nicht nur auf bundesweiter Ebene betrieben, auch lokal sind Politiker und Parteien – mal mehr, mal weniger – im Netz aktiv. Ob sich die Aachener Politiker & Parteien auf diesem Terrain ebenso gut schlagen, wie die Kollegen im Bund, haben wir einmal genauer untersucht.

Die CDU Aachen überzeugt zunächst auf ihrer Homepage mit einem schlichten, übersichtlichen Design. Jedoch sind auch nach längerer Suche keine Social Plugins zu finden. Die Vermutung, dass Social Media nicht zu den Schwerpunkten der Partei gehört, bestätigt sich bei der Suche nach einem Twitteraccount, der nicht vorhanden ist. Auch eine Facebook-Fanseite ist nicht zu finden, lediglich eine Gruppe mit knapp 80 Mitgliedern. Ganz im Gegensatz dazu: Die Junge Union Kreisverband Aachen-Stadt & die Junge Union Kreis Aachen Land. Die erste Fanseite umfasst mittlerweile fast 90 Fans, während die zweite 136 verzeichnet. Somit können beide einen besser ausgebauten Social Media Auftritt vorweisen, als die CDU selbst.

Nicht viel anders als bei der CDU sieht es bei der FDP Aachen aus. Hier existiert zwar ein ab und an genutzer Twitteraccount mit knapp 100 Followern, doch lassen sich weder eine Facebook-Fanseite noch eine Facebook-Gruppe ausfindig machen. Auch findet man unseres Wissens keine lokalen FDP-Politiker, die sich im Social Media Bereich präsentieren und engagieren, um mit ihren WählerInnen in Kontakt zu treten. Hingegen stellen sich die JuLis Aachen auf Facebook besser dar. Die jungen Liberalen können sich über fast 90 Fans freuen und stehen in regem Austausch mit diesen. Wenn auch die Postingfrequenz noch regelmäßiger sein könnte, hat man hier die Möglichkeiten sozialer Netzwerke erkannt und genutzt. Darüber hinaus existiert noch eine Bezirks-Seite für Aachen sowie zahlreiche kleinere Fanpages aus der StädteRegion.

Ein wenig besser als FDP & CDU ist die SPD Aachen diesbezüglich aufgestellt. Neben einer Facebook-Fanseite mit 23 Fans existieren noch zwei Gruppen. Die Gruppen SPD Regio Aachen und die SPD Kreis Aachen zählen beide jeweils ungefähr 40 Mitglieder. Allerdings wird das Potenzial dieser Seiten/Gruppen nicht entsprechend genutzt. So könnte über Facebook prinzipiell eine offene und transparente Diskussion geführt werden – ähnlich wie es die Piraten-Partei schon seit einigen Jahren auf Bundesebene praktiziert, wobei lokal vor allem Ratsherr Thomas Gerger mit seinem Twitteraccount hervorzuheben ist. Auch der Austausch innerhalb der SPD könnte beispielsweise durch die Veröffentlichung von Themen, Berichten oder Protokollen anregt werden. Hinsichtlich der Facebook Aktivität gehen indessen die Jusos Aachen mit gutem Beispiel voran. Ihre Seite zählt fast 90 Fans. Dabei steht hier die Interaktion im Vordergrund und dementsprechend fällt auch das Feedback aus.

Neben den Facebook-Präsenzen werden die existierenden Twitteraccounts (SPDAachenMitte, SPD_Ponttor, SPDAachenNord) nur selten bis gar nicht gepflegt. Dies könnte die geringe Followerzahl von durchschnittlich knapp 50 erklären. Wahrscheinlich wäre also unterm Strich ratsamer, mit nur einer Stimme zu “zwitschern”.

Im Gegensatz zu dieser eher unstrukturierten Social Media Performance, ist der Aachener SPD-Politiker Michael Servos umso aktiver. Neben seiner Homepage verfügt er über einen eigenen Twitteraccount (Michael_Servos) mit 269 Followern. Hier erscheinen regelmäßige Tweets, wenn auch in den meisten Fällen mit Verweis auf seine Blogartikel, was allerdings durchaus legitim ist. Was darüber hinaus noch wünschenswert wäre, ist eine öffentliche Facebook-Seite in der Kategorie PolitikerIn. Hier könnte die Auseinandersetzung mit dem Bürger einmal mehr gepflegt werden. Festzuhalten bleibt also, dass Michael Servos einer der wenigen PolitikerInnen aus Aachen ist, die das Web 2.0 tatsächlich nutzen.

Auch Bündnis 90/Die Grünen Aachen sowie die Linke Aachen, setzen auf Social Media. Sowohl bei Facebook als auch auf Twitter (GrueneAachen, DieLinke_Aachen) lassen sich Aktivitäten und Interaktionen feststellen. Anzumerken ist dabei, dass auch Grüne und Linke den Fokus darauf legen, über Social Media den Nachwuchs zu begeistern und zu fördern. So haben auch die Grüne Jugend Aachen und die Linksjugend Aachen eigene Fanseiten für junge, politisch interessierte Menschen. Kritikpunkt: Der Twitteraccount der Grünen Aachen wurde vor mehr als zwei Jahren zuletzt genutzt. Lediglich die Linke Aachen zeigt also auf Twitter derzeit ein gesteigertes Interesse daran, auch über soziale Netzwerke & Plattformen aktiv mit den Fans in Verbindung zu bleiben.

Kommen wir zum Fazit: Soziale Medien und Netzwerke werden noch nicht von allen Aachener Politikern & Parteien in Anspruch genommen. Allerdings hat die Parteijugend bereits verstanden, wie die Möglichkeiten umgesetzt werden können. Um Information, Interaktion und nicht zuletzt politische Meinungsbildung weiter erfolgreich voranzutreiben, wäre eine intensivere Erschließung von Social Media Angeboten durchaus wünschenswert und ratsam.