Mein Studium neigt sich dem Ende entgegen. Und wie so oft steht nach Ablauf der Ausbildung ein Punkt ganz oben auf der To-Do-Liste: Bewerbungen schreiben. Für viele – mich eingenommen – ist das nicht gerade eine erfreuliche Aufgabe. Ein Anschreiben verfassen, den eigenen Lebenslauf zusammenstellen: Jeder Punkt und jedes Komma wird genauestens durchdacht, schließlich will man sich ja von seiner besten Seite zeigen. Wir verbringen meist Stunden über einer Bewerbung, tüfteln am Outfit für das Foto, über die verwendete Schriftart oder die Form von möglichen Aufzählungszeichen. Am Ende unserer Bemühungen steht dann meistens ein Bewerbungsfoto, dass durch die mutige Farbwahl schwarzer Blazer, weiße Bluse hervorsticht und ein Lebenslauf, der sich abermals durch schwarze Schrift auf weißem Untergrund, bestimmt deutlich von den anderen Bewerbungen abhebt.

montagsSMAC - Social Media Bewerbung

Kurzum: Bei Bewerbungen sind unserer Kreativität Grenzen gesetzt. Sie funktionieren zumeist nach Schema F, aber muss das wirklich immer so sein? Allen, die sich von den Bewerbungsroutinen abheben und sich kreativ ausleben möchten, bietet das Social Web gute Möglichkeiten jenseits von Xing und LinkedIn. Eine Jobsuche via Social Media kann nämlich so unterschiedlich wie die einzelnen Plattformen selber sein.

Von Facebook über YouTube, Google oder Pinterest: Einige kreative Arbeitssuchende haben bereits den Schritt ins Social Web gewagt und heben sich dort mit durchaus gelungenen Lebensläufen und Bewerbungen vom Gros der Bewerber ab. Paolo Bruno und Brandon Kleinman nutzten beispielsweise die Facebook immanenten Funktionen für ihre Jobsuche. Mittels Fotoalbum und Timeline machten sie sich bei der Stellensuche zu nutze, dass heutzutage sowieso immer mehr private Profile von potenziellen Arbeitgebern gecheckt werden. Akustisch und visuell heben sich Erin Vondrak und Devina Deascal mit ihren Bewerbungsvideos auf YouTube von anderen Mitstreitern ab und Alec Brownstein und Ed Hamilton nutzten Google-Dienste wie Google Maps oder Google Ads, um ihren Jobgesuchen mehr Gehör zu verschaffen. Dem Wortsinn nach besonders gut verkauft haben sich auch Josh Butler und Philippe Dubost, die ihre Arbeitskraft bei ebay versteigerten oder einen Lebenslauf im amazon-Design online stellten.

Die Beispiele zeigen: Bewerbungen müssen nicht immer nur schwarz-weiß und nach vorgefertigten Mustern verfasst sein. Zugegeben, für die Jobsuche 2.0 braucht es sicherlich ein kleines bisschen Mut und Fingerspitzengefühl. Je nach Arbeitsumfeld sollte man sich gut überlegen, ob Kreativität  gefragt ist oder ob man seine potenziellen Arbeitgeber hiermit vielleicht doch eher verprellt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Trotz meines heutigen Plädoyers für mehr Kreativität in Bewerbungen, bin ich froh, dass ich mir darüber vorerst keine weiteren Gedanken mehr machen muss. Ab Januar 2014 werde ich hier mein Volontariat beginnen. Und darauf freue ich mich jetzt nicht nur, weil ich der Bewerbungsmaschinerie somit glücklich entwischt bin.

Sabine Rittinger