Einen genauen Zeitpunkt gibt es noch nicht, aber über kurz oder lang werden sich Nutzer professioneller Facebook-Seiten damit beschäftigen müssen: Die Facebook Page Tab Apps sollen in Zukunft abgeschaltet werden. Das betrifft also im Klartext alle Third Party Apps, beispielsweise eingebundene Gewinnspiele, „Über Uns“-Apps oder Netiquetten. Aktuell können diese noch genutzt werden. Auf lange Sicht sollte sich eine Strategie aber nicht weiter auf diesen Kommunikationsweg verlassen. Was sind die Alternativen?

Abschaltung aufgrund sporadischer Nutzung

Der Fokus von Facebook liegt auf Interaktion. Dies geschieht heute hauptsächlich direkt über den Newsfeed, nur wenige Nutzer steuern noch aktiv die Facebook-Seite einer Marke an. Die darauf eingebundenen Page Tab Apps werden auf dem Desktop schon selten angeklickt, auf mobilen Endgeräten sind sie gar nicht erst zu sehen.

Hauptsächlich beschäftigen sich Nutzer mit dem Content, der ihnen im Newsfeed angezeigt wird. Das kann auf zwei Arten geschehen: Entweder durch „relevante Inhalte“ für den spezifischen User oder durch Werbeanzeigen. Für Marken stellt sich also erstens die Herausforderung, hochwertige Inhalte für ihre Fans zu veröffentlichen. Zweitens geht es ebenso darum, die Zielgruppen durch möglichst genaues Targeting mit Facebook Ads auf sich aufmerksam zu machen. Überdacht werden sollten also Strategien, die auf Interaktion oder Informationsvermittlung rein durch Facebook-Apps abzielen.

Gewinnspiele, Netiquette & Co.

Die Frage ist nun: Wohin mit den Inhalten, die bisher in den Page Tab Apps untergebracht waren? Zunächst wären da Apps, die Informationen bereithalten. Paradebeispiele dafür wären, Team, Über Uns oder Netiquette. Viele dieser Inhalte können im Infobereich untergebracht werden. Zugegeben, hier nur in Textform und ohne gestalterischen Spielraum. Daher bietet es sich an, in diesem Bereich auf Links zurückzugreifen. Eine Unterseite für Über Uns oder Team gibt es schließlich bereits auf den meisten Webseiten. Wenn man im Infobereich jedoch auf social-media-spezifische Inhalte plazieren möchte, lohnt sich die Verlinkung auf jene Microsites, die zuvor als Tabs bei Facebook eingebunden waren. Auf diesen können bspw. die Social Media Manager des Unternehmens wie gehabt vorgestellt werden – nur eben nicht per iFrame als App eingebunden.

Kommen wir nun zum Punkt Interaktion: Darüber hinaus wird die Abwicklung von Gewinnspielen oder Promotion-Aktionen ebenfalls über interaktiv gestaltete, externe Microsites stattfinden. Dies bricht zwar ein bisschen mit den Nutzungsgewohnheiten, ist aber funktional keineswegs von Nachteil. Die Mobiloptimierung dieser Seiten ist allerdings Pflicht, denn mindestens 50% des Traffics wird schon heute über Smartphones und Tablets generiert. Ist das Gewinnspiel kleiner und lohnt die Entwicklung & Umsetzung einer solchen Microsite nicht, können Promotion-Aktionen alternativ auch auf der Chronik durchgeführt werden. Seit der Änderung der Facebook Promotion Guidelines ist dies ein beliebtes Mittel, die Interaktion auf der eigenen Facebook-Seite organisch zu erhöhen.

Kombination: Owned, Earned und Paid Media

Für Marken ist Facebook weiterhin ein sehr effektiver Kanal, um die eigenen Zielgruppen anzusprechen und an sich zu binden. Die technischen Bedingungen des Netzwerks müssen dabei akzeptiert und vor allem ausgeschöpft werden. Die Page Tab Apps sind aktuell eine funktionierende Möglichkeit, Nutzer an Desktop-PCs innerhalb des Facebook-Universums mit Informationen, Promo-Aktionen und Service-Angeboten zu versorgen. Wie lange diese Option so noch besteht, ist nicht klar. Fest steht: Über kurz oder lang wird sich die Strategie vieler Marken ändern müssen. Gerade auch im Angesicht der ständig steigenden mobilen Nutzung.

Aber: Kein Grund, in Panik zu verfallen. Bei einer Neuausrichtung gilt es, unterschiedliche Media-Typen systematisch zu verbinden. Eigene Kanäle, bezahlte Werbung und verdiente Interaktion bspw. durch User-Generated Content – auf die gezielte Kombination von Owned, Earned und Paid Media kommt es mehr denn je an.