Die Bundestagswahl rückt näher, am 22.09.2013 sind rund 61,8 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Doch auch vorher wird von dieser bereits reichlich Gebrauch gemacht und zwar im Netz. Mittlerweile bedeutet das: Auf Facebook, Twitter, Google+, tumblr oder in Blogs. Ein kleiner Überblick.

So richtig in Schwung kam die Diskussion am 01.09., dem Tag des TV Duells zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück. Über 250.000 Tweets wurden mit dem Hashtag #tvduell abgesetzt, auf dem Höhepunkt 2.622 Tweets pro Minute. Das Interesse am Schlagabtausch der Spitzenkandidaten von CDU/CSU und SPD war also auch im Social Web immens. Zum Vergleich: Einen Tag später fand der „TV Dreikampf“, das Aufeinandertreffen der drei Kandidaten Brüderle (FDP), Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) und Gysi (Die Linke), nicht annähernd soviel Beachtung bei Twitter. Das Social Search Tool Topsy findet unter den Hashtags #Dreikampf bzw. #TVDreikampf insgesamt nur knapp über 15.000 Tweets.

Zu beobachten ist allgemein, dass neben den Parteien und Kandidaten auch die TV Sender und sozialen Netzwerke selbst die Interaktion auf verschiedenen Wegen anzuschieben versuchen. Das ZDF griff beispielsweise mit dem Format „Wie geht’s, Deutschland“ und den Hashtags #wiegehts und #wiebitte den allgemeinen Second Screen Trend auf. Und auch die Netzwerke bieten eigene Kanäle, die eine hauptsächlich junge Zielgruppe für politische Inhalte begeistern wollen. Bisher mit gemischtem Erfolg: Der Kanal @Twitter_Politik hat gerade mal 1.200 Follower, das Facebook Wählerstudio ähnlich viele Fans. Google geht die Sache mit dem eigenen „Google Politik & Wahlen“ Portal noch weitaus aufwendiger an und gibt neben Stimmungsbarometern auch einen Überblick über aktuelle Debatten bei Google+. Der Titel JunG+Naiv gibt die Richtung hier bereits vor.

Insgesamt sind die eigenen Kanäle und Einbindung der Nutzer durchaus begrüßenswerte Initiativen – wenn natürlich auch nicht ganz uneigennützig gedacht, tauchen doch die jeweiligen Unternehmensnamen immer prominenter in der Öffentlichkeit auf. „Frau Meier schreibt auf Facebook…“, „@besorgterBürger fragt über Twitter…“, „Meistdiskutiertes Thema auf Google ist…“ haben Einzug in beinahe jede Sendung zur Bundestagswahl gehalten.

Ein Fazit? Politik in sozialen Netzwerken ist heutzutage mehr als nur der oft verschriene „Stimmenfang“. Ob eine Auswertung der Likes, Postings, Tweets und Einträge jedoch mehr sein kann, als ein sehr gefiltertes Stimmungsbild, wage ich stark zu bezweifeln. Ja, „Im Netz wird diskutiert…“, aber immer. Alles. Und „diskutieren“ ist ein sehr schwammiger Begriff, gerade bei der Sammlung von Beiträgen, die gewisse Schlagworte enthalten. Ein Merkel-tumblr hier, ein bissiger Kommentar zum #YOLO-Plakat der FDP (Update: und auch der Linken!) da, davon bleibt keine Partei verschont. Oft bleibt es aber bei Hohn & Spott, ohne die vielgeforderten Inhalte.

Aber: Allein die Menge an generierten Beiträgen zur Wahl zeigt immerhin, dass das Thema nicht an den Leuten vorbei geht. Vielleicht auch, weil sie dank der Dauerpräsenz in sozialen Medien gar nicht daran vorbei können. Aber auch das ist ja sicherlich kein Nachteil. Die aktive Teilhabe an politischen Inhalten jenseits von Likes & Shares, daran mangelt es weiterhin. Aber vielleicht finden ja viele so leichter einen Einstieg in zugegeben immer komplexer werdende Themen.

Norbert Windeck
P.S.: Geht wählen!