Vor fast einem Jahr habe ich Cherian Grundmann auf der dmexco 2012 in Köln kennengelernt. Ein Aachener Physik-Student, der neben seinem Studium ein interessantes Netz-Projekt mit einigen Anderen ins Leben gerufen hat: OneEurope.

Es handelt sich um eine Online-Plattform, die zur Reflexion und Diskussion über europäische Politik und internationale Beziehungen anregt. Ein interessanter und lobenswerter Ansatz, wie ich finde. Denn das Projekt steht ganz im Zeichen von grassroots movements und zeigt einmal mehr, dass die Grenzen des zivilgesellschaftlichen Engagements im Netz eben noch nicht erreicht sind. So prägt das Internet nicht allein unsere private Lebenswelt, sondern auch unsere politische Informations- und Diskussionskultur. Daher habe ich Cherian vier Fragen zum Projekt gestellt:

Warum ist das Netz der ideale Ort für politische Kommunikation?
Cherian: “Über das Internet findet man schnell Gleichgesinnte und die meiste Organisation kann online geregelt werden. Das hat zum einen den Vorteil, dass Interessengemeinschaften nicht mehr nah aneinander wohnen müssen, um eng miteinander zusammen zu arbeiten, zum anderen kann man auch mehr Menschen erreichen, die sich für einen interessieren und vielleicht einmal unterstützen. Besonders profitieren davon kleine politische Akteure, welche heute die Chance haben, ohne viel Aufwand allein durch geschickte Kommunikation ihre Message zu verbreiten. Die etablierten Stimmen haben dagegen oft Schwierigkeiten, sich da hervorzutun. Einen Post, der allein durch Witz tausende Anhänger erreicht, weil er in immer mehr digitalen Freundeskreisen geteilt wird, kann man nicht kaufen.”

Welches Netzwerk würdest du für OneEurope als Kommunikationskanal Nr. 1 bezeichnen?
Cherian: “Eindeutig Facebook.”

Wie organisiert ihr eigentlich das Content Management? Praktiziert ihr auch intern demokratische Strukturen?
Cherian: “Wir haben eine Redaktion und einen Chefredakteur, der koordiniert, welcher Redakteur wann einen Artikel publiziert. Daneben gibt es noch einige Moderatoren/Redakteure für unsere Social Media Kanäle. Die Arbeit wird in Teams zusammengefasst, die zum großen Teil in Gruppenchats auf Facebook organisiert sind. Wir haben zum Beispiel einen für Facebook Management, einen für die Publikation von Artikeln, einen für alle Redakteure und Moderatoren für allgemeine Promotion, in denen auch immer ein oder zwei Mitglieder des Vorstands mit “am Tisch” sitzen.

In der Regel werden Entscheidungen innerhalb der Teams demokratisch getroffen. Die Gesamtstruktur von OneEurope ist zwar nicht demokratisch, in den meisten Situationen arbeiten wir aber auf Augenhöhe und fördern Eigeninitiative. Autoren werden in den Entscheidungsprozess einbezogen, wenn sie die Initiative dazu zeigen. Jedem steht die Tür zu mehr Verantwortung auf.

Ein demokratischer Stil ist meiner Erfahrung nach sogar Voraussetzung für kontinuierlich produktive Arbeit mit Freiwilligen, die viel interne Koordination erfordert. Wenn jemand in OneEurope eine Idee für ein vielversprechendes Projekt hat und es auch umsetzen will, können wir die nötigen Kapazitäten im Team organisieren, das letzte Wort bleibt jedoch beim Ideengeber. Es kann also jeder zum “leader” werden.”

Last but not least: Wie würdest du euer OneEurope in nur 140 Zeichen beschreiben?
Cherian: “OneEurope ist ein Ort grenzüberschreitender Debatten, spannender Inhalte und zivilem Engagement, der den Geist eines neuen Europas atmet.”

Rebecca Belvederesi-Kochs